Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

MdEP Prof. Dr. Klaus Buchner und Manuela Ripa (ÖDP) äußern sich zur Problematik von Zuchtlachs aus Aquakulturen

Ripa: „EU-Lebensmittelbehörde EFSA ist zahnloser Tiger“

(Brüssel/08.07.2020) Der Europaabgeordnete Prof. Dr. Klaus Buchner sowie seine designierte Nachfolgerin Manuela Ripa von der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) fordern strengere Regeln für die Lachszucht. Dazu Prof. Buchner: „Es ist ein Irrglaube, dass Lachs aus Zuchtanlagen weniger problematisch sei als der Fang von freilebenden Tieren. Weil die Fische auf sehr engem Raum leben, breiten sich Krankheiten explosionsartig aus. Durch entkommene Fische übertragen sich diese auch auf Wildlachsbestände. Da sich die Zuchtanlagen eingehegt im Meer befinden, verschmutzen Kot- und Futterreste das Meerwasser und gefährden damit das Ökosystem. 

Der Europaabgeordnete weist auch auf die hohen Gaben von Antibiotika in der Lachszucht hin. „Die Tiere stehen wegen der Enge in den Zuchtanalgen unter enormem Stress. Nur durch die vorbeugende Gabe von Antibiotika können sie diese Strapazen überhaupt überstehen. Wie ich aber schon im Rahmen meiner Landwirtschaftskampagne aufgezeigt habe, ist die massenhafte Verabreichung von Antibiotika in der Tiermast ein Hauptgrund für das Auftreten von Antibiotikaresistenzen beim Menschen.“ Mehr als 90 Prozent der Lachse stammen heute aus sogenannten Aquakulturen, wie die im Wasser liegenden Fischfarmen genannt werden.

Manuela Ripa, die das Mandat im Europäischen Parlament am 16. Juli von Klaus Buchner übernimmt, weist auf die bedenklich hohen Konzentrationen der Chemikalie Ethoxyquin hin, die seit Jahren immer wieder in Zuchtlachs, aber auch in Proben anderer Zuchtfische, gefunden wird. Das Mittel wird verwendet, um das Fischmehl, das der Fütterung dient, haltbar zu machen. Dazu die ÖDP-Politikerin: „Es ist ein Skandal, dass Ethoxyquin als Pflanzenschutzmittel seit 2011 in der EU verboten ist, es aber immer noch in – teils sehr hohen – Konzentrationen in Zuchtfisch nachgewiesen wird. Ethoxyquin muss endlich auch als Futtermittelzusatz verboten werden. Wir wollen keine Chemie auf unserem Teller!“ Ethoxyquin ist verboten, weil es direkt ins menschliche Gehirn gelangen kann und im Verdacht steht, das Erbgut zu schädigen.

Die zukünftige Europaabgeordnete sieht die Rolle der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) äußerst kritisch. „Die EFSA wollte Ethoxyquin ursprünglich ab 2020 als Chemikalie im Fischfutter verbieten. Nun wird das Verbot nochmal überprüft wegen einer von der Nahrungsmittelindustrie angefertigten Studie. Das passt ins Bild, denn auch in anderen Bereichen hat sich die EFSA immer als äußerst industrienah positioniert. So ist und bleibt die EFSA ein zahnloser Tiger. Aber die Fakten liegen auf dem Tisch. Deshalb muss die Behörde jetzt endlich handeln und ein sofortiges Verbot aussprechen.“

Ripa erläutert, dass bei der industriellen Lachszucht alle Probleme der Massentierhaltung wie unter einem Brennglas sichtbar werden. Deshalb sei es ratsam, ganz auf den Kauf von Lachs zu verzichten, solange die Missstände in der Lachszucht nicht behoben sind. Prof. Buchner und Manuela Ripa raten vor dem Kauf von Fisch dazu, sich etwa über die „Greenpeace-Fischratgeber“ zu informieren, welcher Fisch ökologisch unbedenklich ist. Die ÖDP-Politiker empfehlen allen Interessierten die ZDF-Dokumentation „Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Lachs“, deren Erstausstrahlung am 16. Juni war, und in der die Probleme rund um das Thema Zuchtlachs anschaulich erklärt werden.


Die ÖDP Bremen verwendet Cookies, um diese Website Ihren Bedürfnissen anzupassen. Zu den Cookie-Nutzungsbestimmungen