Naturkunde

Ich schreibe diesen Text am 250. Geburtstag Alexander von Humboldts. Diesen Namen habe ich erstmals von meinem Biologielehrer gehört. Der war ein vom Krieg geschädigter Mann, oft unkontrolliert jähzornig, immer aber voller Leidenschaft und Begeisterung für sein Fach. Er hat die Natur geliebt. Unvergesslich bleibt mir, wie er von den Hornissen in seinem Garten schwärmte während wir Schüler nur an die elterlichen Schauermärchen über diese angeblich tödlichen Groß-Insekten dachten. Der Biologielehrer alten Schlages lachte darüber und klärte uns auf. Er war einer, der mit uns echte Naturkunde im Sinne Humboldts trieb. Er hatte eine heute kaum noch vorstellbare Artenkenntnis und hielt auch uns an, Tiere, Pflanzen und Vorgänge genau zu benennen.

Heute weiß ich, dass Kenntnis die Voraussetzung dafür ist, den Stand der Dinge, Verluste, noch Vorhandenes, Gefahren und Chancen realistisch wahrzunehmen. Alexander von Humboldt wollte zu seiner Zeit die ganze Vielfalt des Lebens auf der Erde ermitteln und beschreiben. Das musste scheitern. Aber die heute oft feststellbare Gleichgültigkeit gegenüber Wissen und Kenntnissen im Bereich der Naturkunde (welch ein altmodischer Begriff…) ist noch fataler als Humboldts hoffnungsloses Streben nach Vollständigkeit.


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